Aktuell für Sie
vom Europakongress der
"Society for intercultural Training and research" aus
Berlin
Ein Bericht von Univ.Doz. Mag.Dr. Frank Brück
und Mag.Dr. Wolfgang Hackl
Es müssen ja nicht gleich Verhandlungen mit japanischen
oder arabischen Abgeordenten sein. Auch ein Geschäftskontakt
mit neuen Partnern aus Tirol oder Vorarlberg kann z.B. für
ein Wiener Unternehmen schon eine echte interkulturelle Herausforderung
bedeuten. Freilich wird die Situation bewusst viel zu selten als
oft kritischer Austausch von tief verinnerlichten Stereotypen
wahrgenommen - und doch entscheiden alleine die Begrüßungsrituale
über den weiteren Fortgang der Verhandlungen.
Wir Menschen sind gewohnt uns in den ersten Sekunden eines interindividuellen
Kontakts "ein Bild zu machen". In diesen wertvollen
Sekunden werden Verhandlungen gewonnen oder verloren. Die Entscheidung
ob man mit diesem neuen Partner "will" oder "kann"
wird ganz zu Beginn gefällt. In diesem Prozess spielen die
Erfüllung erwünschter Stereotype eine wichtige Rolle
und die sind nun mal interkulturell verschiedener als wir annehmen.
Nicht umsonst sind 40 % der gescheiterten internationalen Geschäfte
interkulturellen Missverständnissen zu zuschreiben.
Wird die Notwendigkeit einmal erkannt kulturelle Merkmale zu
berücksichtigen generiert sich vorerst ein simplifiziertes
Kulturverständnis. Bereits in dieser Phase wirkt sich die
erhöhte Sensibilität als Vorteil aus. Der echte strategische
Wettbewerbsvorteil beginnt mit dem komplexen Verständnis
von interkulturellen Zusammenhängen. Kultur ist nicht nur
Landeskultur und ein Individuum setzt sich aus verschiedensten
kulturellen Elementen zusammen.
Die am weitesten gefasste Kategorie ist der Kulturkreis. Dem
folgen die nationale und die regionale Zugehörigkeit. Gleichzeitig
gehört jeder Mensch über seine verschiedenen Lebensbezüge
einem (vertikalen) Konklomerat von Organisationsstrukturen wie
Firmenzugehörigkeit, Vereinen und anderen identitätsstiftenden
Merkmalen, bis hin zur Familie an. Jeder dieser Kulturbereiche
verfügt über ein eigenes Verhaltensrepertoire, Werte
und Normen und er hat auch eigene Prinzipien des Denkens entwickelt.

Interkulturelles Verstehen geht also über die Basis der
Erkenntnis, dass Japaner niemals "nein" sagen, selbst
wenn es kategorisch "nein" heißt, oder dass fehlender
Blickkontakt bei Schwarzafrikanern ein Zeichen von Respektsbezeugung
gegenüber dem Ansprechpartners bedeutet und nicht Geringschätzung
etc... weit hinaus.
Über tiefes Verstehen interkultureller Merkmale verschaffen
Sie sich einen Vorteil gegenüber Ihren Mitanbietern, den
diese nur schwer aufholen können. Oder können sie sich
umgekehrt bei einer Expansion nach Taiwan vorstellen mit jemanden
zusammenarbeiten zu wollen, von dem Sie das Gefühl haben,
dass er im tiefsten Grunde überhaupt nicht versteht was Sie
meinen und was Ihr Anliegen ist?
Interkulturelle Intelligenz führt Sie von der Sympathie
zur Empathie...und Sie ist zu 100% trainierbar!
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